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Auf der Suche nach einem ADHS-Diagnostikplatz: Was du wissen musst

Neurodivergenz

Auf der Suche nach einem ADHS-Diagnostikplatz: Was du wissen musst

Die Suche nach einem ADHS-Diagnostikplatz ist für viele Erwachsene frustrierend. Wer darf diagnostizieren, was kostet es, und woran erkennst du seriöse Angebote? Ein Überblick mit konkreten Tipps.

Wer sich auf die Suche nach einem Diagnostikplatz für ADHS macht, ist mit vielen verschiedenen Fragen konfrontiert und weiß häufig nicht, wo er oder sie anfangen soll. Macht das eine psychiatrische Praxis, eine psychotherapeutische oder kann ich in meine hausärztliche Praxis? Was ist mit Angeboten, die man selbst bezahlt und woran erkenne ich ein seriöses Angebot? Das kann sehr verwirrend sein, wenn es bisher noch keine Berührungspunkte im Bereich Psychotherapie oder Ähnlichem gab. In diesem Artikel möchte ich neutral aufklären, damit du dich informiert und kompetent für einen passenden Weg entscheiden kannst.

Warum ist die Suche nach einer ADHS-Diagnostik so schwierig?

Eigentlich klingt es simpel: Du hast einen Verdacht, du suchst eine Fachperson, du bekommst Klarheit. In der Realität sieht das für die meisten anders aus.

Viele Erwachsene berichten, dass sie monatelang nach einem Diagnostikplatz suchen, von Praxis zu Praxis verwiesen werden und am Ende nicht einmal sicher sind, ob die Stelle, bei der sie gelandet sind, überhaupt die richtige war. Dazu kommt das Gefühl, mit dem eigenen Verdacht nicht ernst genommen zu werden, besonders, wenn man jahrzehntelang funktioniert hat und nach außen hin „gut durchgekommen“ ist. Dann fallen Sätze wie: „Sie können keine ADHS haben, Sie haben ja studiert“ oder „Wenn Sie in diesem Test zur Kindheit nicht die erforderliche Punktzahl haben, haben Sie keine ADHS“ oder „ADHS ist eine Trenddiagnose“.

Um einen dieser Sätze zu hören, muss man es aber wenigstens schon mal in eine Praxis geschafft haben, soweit kommt es häufig aber erst gar nicht. Es kann sehr schwer sein, einen Platz zu finden. Das liegt nicht daran, dass du etwas falsch machst, sondern hat mehrere Gründe:

  • ADHS bei Erwachsenen ist nach wie vor unterdiagnostiziert, die Nachfrage nach Abklärung steigt und die Kapazitäten halten damit nicht Schritt.
  • Da ADHS bis vor einigen Jahren bei Erwachsenen gar nicht diagnostiziert werden durfte, war das nicht Teil der Ausbildung, sodass sich viele Psychotherapeut:innen oder Psychiater:innen gar nicht zutrauen, die Diagnose zu stellen.
  • ADHS ist ein kontroverses Thema, obwohl die wissenschaftliche Evidenz eindeutig ist. Trotzdem gibt es Fachpersonen, die die Diagnose ablehnen und sie folglich auch nicht stellen.

All diese Gründe führen dazu, dass Diagnostikplätze in einem System wegfallen, das sowieso viel weniger Behandlungsplätze hat, als benötigt werden. Mit dieser Schwierigkeit fängt es also schon mal an. Vielleicht bist du auf deiner Suche in ADHS-Foren oder auf anderen Seiten gelandet, in denen diskutiert wird, wie seriös Diagnostikangebote sind, die selbst bezahlt werden und ob es überhaupt sinnvoll ist, sich darauf einzulassen. Hier findet sich oft viel Halbwissen, damit räumen wir im nächsten Abschnitt auf.

Wer darf eine ADHS-Diagnose stellen?

Das ist eine der häufigsten Fragen und muss in zwei Teilen beantwortet werden: Wer darf eine Diagnose stellen und was kann man damit anfangen?

Grundsätzlich dürfen in Deutschland folgende Berufsgruppen eine ADHS-Diagnose stellen:

  1. Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Fachärzt:innen für Neurologie
  2. Ärztliche Psychotherapeut:innen mit entsprechender Qualifikation
  3. Psychologische Psychotherapeut:innen (approbiert)
  4. Heilpraktiker:innen für Psychotherapie

Wenn du all diese Bezeichnungen zum ersten Mal hörst, findest du eine genauere Beschreibung in den Artikeln Was macht ein Psychologe, Wie finde ich eine:n Therapeut:in und Heilpraktiker:in für Psychotherapie.

ADHS-Diagnose durch fachärztliche oder psychotherapeutische Praxen

Wird die Diagnose von jemandem aus den Berufsfeldern 1–3 gestellt und läuft das Ganze über die Krankenkasse, ist die Diagnose automatisch in deiner Patient:innenakte und du kannst Leistungen erhalten, also zum Beispiel Medikation, Psychotherapie und Ergotherapie.

Wenn du später beispielsweise einen Nachteilsausgleich oder einen Grad der Behinderung beantragen oder die Diagnose für andere formale Zwecke verwenden möchtest, bist du mit den Berufsgruppen 1–3 auch auf der sicheren Seite.

ADHS-Diagnose durch Heilpraktiker:innen für Psychotherapie

Wenn die Diagnose durch eine:n Heilpraktiker:in für Psychotherapie gestellt wird, wird es etwas komplizierter. Personen mit dieser Bezeichnung dürfen Diagnosen stellen, diese landen aber nicht in deiner Krankenakte und werden von den Krankenkassen aus sozialrechtlichen Gründen nicht anerkannt, egal wie gut die Diagnostik am Ende durchgeführt wurde. Du kannst also erstmal keine Medikation, Psychotherapie usw. über die Krankenkasse erhalten.

Damit das geht, muss der Befund durch jemanden aus den Berufsgruppen 1–3 sozusagen bestätigt werden. Das funktioniert, indem du deinen Befund in einer psychiatrischen, psychotherapeutischen oder hausärztlichen Praxis vorzeigst. Die Praxis entscheidet dann, ob sie dem Befund folgt und dich entsprechend behandelt. Dann ist die Diagnose im System vermerkt und alles nimmt seinen Gang wie gewohnt. Das gilt übrigens auch für Diagnosen durch private psychiatrische oder psychotherapeutische Praxen, die nicht über die Krankenkassen abrechnen, auch diese Befunde müssen einmal über diesen Umweg im System ankommen (werden aber sozialrechtlich anerkannt).

Du merkst schon: Der Knackpunkt ist, ob der Befund anerkannt wird. Und das kommt wiederum darauf an, welchen Hintergrund der oder die Heilpraktiker:in hat und wie gut die Diagnostik durchgeführt wurde. Der letzte Punkt ist auch interessant, wenn du die ADHS als Krankenkassenleistung abklären lassen möchtest.

Möchtest du mit dem Befund einer Heilpraktiker:in einen Nachteilsausgleich, Grad der Behinderung oder etwas anderes Formelles beantragen, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren, wenn nicht eine ärztliche oder psychotherapeutisch tätige Person den Befund „bestätigt“.

Wichtig zu wissen ist auch, dass Psycholog:innen (Diplom oder M. Sc.) zwar testpsychologische Untersuchungen durchführen, aber nicht diagnostizieren dürfen. Ob eine ärztliche Praxis die reine Testung als Grundlage übernimmt bzw. anerkennt, liegt auch hier im persönlichen Ermessen.

Du wirst häufiger Psycholog:innen mit Heilpraktikererlaubnis finden. Diese haben grundsätzlich den nötigen fachlichen Hintergrund, um die Diagnostik kompetent durchzuführen, wodurch die Befunde in erfahrenen psychiatrischen Praxen in aller Regel übernommen werden. Auch der Nachteilsausgleich für Universitäten ist meist problemlos möglich.

Woran du einen qualifizierten Diagnostikprozess erkennen kannst, beschreibe ich weiter unten. Zunächst geht es weiter mit der Frage nach den Kosten.




Die Infografik zeigt übersichtlich, welche Berufsgruppen was dürfen und erklärt Besonderheiten.
Kompakte Übersicht zu den Kompetenzen der verschiedenen Diagnostikstellen



Diagnostik über die Krankenkassen oder privat - was ist der Unterschied?

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Wenn du gesetzlich versichert bist, hast du grundsätzlich Anspruch auf eine ADHS-Abklärung. Das ist gut und diesen Weg solltest du im besten Fall gehen. Was es erschweren kann, sind die Wartezeiten und die nicht ausreichenden Kapazitäten.

Wartezeiten: Auf einen Kassentermin bei einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis wartest du in vielen Städten drei bis zwölf Monate, manchmal länger. Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen sind gesetzlich dazu verpflichtet, innerhalb von vier Wochen einen Termin zu vermitteln, das gilt aber zunächst nur für einen Ersttermin, nicht für eine vollständige Diagnostik oder Therapie.

Begrenzte Kapazitäten: Nicht jede Praxis mit Kassenzulassung kann oder will ADHS-Diagnostik anbieten.

Private Krankenversicherung und Selbstzahler

Privat Versicherte haben in der Regel deutlich schnelleren Zugang zu Diagnostikangeboten. Die Kostenübernahme hängt von deinem Tarif ab, es lohnt sich, vor der Diagnostik bei deiner Versicherung nachzufragen.

Bezahlst du die Diagnostik selbst, erhältst du vermutlich ebenfalls schneller einen Termin. Angebote dafür gibt es von allen oben genannten Berufsgruppen. Die Kosten variieren je nach Umfang der Diagnostik erheblich, eine fundierte Diagnostik mit Testverfahren, Anamnese und schriftlichem Bericht kann zwischen 300 und 800 Euro liegen.

Man darf dabei nicht vergessen, dass auch in der Gesundheitsbranche Menschen Geld verdienen müssen, das ist notwendig und erstmal nicht verwerflich. Hat man allerdings den Eindruck, dass die Kosten deutlich über anderen Angeboten liegen und das nicht durch den benötigten Zeitaufwand erklärbar ist, sollte man vielleicht noch einmal darüber nachdenken.

Worauf sollte ich bei ADHS-Diagnostik für Selbstzahler:innen achten?

Wenn du dich für eine Privatpraxis entscheidest, hast du sicher gute Gründe dafür. Du solltest auf dieses Angebot dann zurückkommen, wenn du über den kassenärztlichen Weg keine zeitnahe Diagnostik erhalten kannst. In einer idealen Welt sollte niemand für etwas bezahlen, das über die Krankenkasse abgedeckt ist. Ist das nicht möglich, bleibt letztlich nur ein privat getragenes Angebot.

Ist die Person approbiert (Fachärzt:in oder Psychotherapeut:in) und bietet eine ADHS-Diagnostik an, passt die Qualifikation. Hier kann es unter Umständen nötig sein, dass du den Befund über deine hausärztliche Praxis in das Krankenkassensystem einbringst.

Handelt es sich um jemanden mit Heilpraktikererlaubnis, ist eine Diagnose rechtlich zulässig, sie muss dann zwingend durch eine der oben genannten Personen bestätigt werden, um in das Krankenkassensystem zu gelangen. Das kann je nachdem schwierig sein. Möchtest du einfach nur wissen, ob du eine ADHS hast und keine weiteren Schritte Richtung Therapie gehen, ist für dich der Punkt mit der Anerkennung durch die Krankenkasse irrelevant.

Woran erkenne ich seriöse ADHS-Diagnostikstellen?

Diese Frage stellt sich besonders dann, wenn du ein Angebot außerhalb des Kassensystems in Betracht ziehst. Denn hier gibt es keine automatische Qualitätskontrolle durch Zulassungsbehörden und das Angebot ist groß und unübersichtlich. Die folgenden Merkmale helfen dir bei der Einschätzung.

Transparenz über Qualifikation und Ausbildung Eine seriöse Fachperson legt ihre Qualifikation offen, z. B. auf der Website, im Erstkontakt und im Befund. Das betrifft nicht nur den formalen Abschluss oder den beruflichen Hintergrund, sondern auch konkrete Weiterbildungen im Bereich ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen. Wenn diese Informationen schwer zu finden und auf Nachfrage vage beantwortet werden, ist das ein erstes Warnsignal. Gut ist es, wenn die Person einen psychosozialen Grundberuf hat, der auf fachliche psychologische Kompetenz schließen lässt.

Transparenz über den Prozess, bevor du bezahlst Noch vor dem ersten Termin solltest du verstehen können, wie der Diagnostikprozess aufgebaut ist: Welche Schritte sind geplant? Welche Verfahren kommen zum Einsatz? Wie viel Zeit ist eingeplant? Wie sieht das Ergebnis am Ende aus? Seriöse Anbieter beantworten diese Fragen von sich aus oder auf Nachfrage problemlos.

Transparenz über die Grenzen des Angebots Das ist ein besonders wichtiger Punkt bei Heilpraktiker:innen für Psychotherapie: Eine seriöse Fachperson erklärt dir von Anfang an, was mit dem Befund möglich ist und was nicht (also auch, dass er im Kassensystem noch bestätigt werden muss). Wer diesen Punkt nicht anspricht oder ihn beschönigt, handelt nicht in deinem Interesse.

Klare und nachvollziehbare Kostenstruktur Die Kosten sollten vollständig und verständlich kommuniziert werden, bevor der Prozess beginnt (idealerweise schriftlich). Seriöse Anbieter erklären auch, was in diesen Kosten enthalten ist (Gespräche, Testverfahren, schriftlicher Bericht). Unklare Kostenstrukturen oder nachträgliche Zusatzkosten sind ein Warnsignal.

Keine Diagnoseversprechen Ob ADHS vorliegt oder nicht, lässt sich erst nach einem abgeschlossenen Diagnostikprozess sagen. Praxen, die bereits im Vorfeld eine Diagnose in Aussicht stellen oder suggerieren, dass eine Diagnose in jedem Fall gestellt wird, arbeiten nicht seriös.

Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Stellen Eine gute Diagnostikstelle denkt über den eigenen Befund hinaus. Das bedeutet: Sie unterstützt dich dabei, den nächsten Schritt zu gehen, zum Beispiel den Befund in einer ärztlichen Praxis vorzeigen zu lassen. Eine Praxis, die keine Rückfragen anderer Fachpersonen beantwortet oder die Weitergabe des Befunds erschwert, sollte dich skeptisch machen.

Professionelles Auftreten und erreichbare Kommunikation Das klingt banal, ist es aber nicht: Eine professionell gestaltete Website mit klaren Informationen, eine zuverlässige Erreichbarkeit und eine wertschätzende Kommunikation von Beginn an sind Hinweise auf eine gut geführte Praxis. Umgekehrt solltest du bei unprofessionellem Auftreten, langen Reaktionszeiten ohne Erklärung oder unklaren Angaben aufmerksam sein.

Wie sollte eine gute ADHS-Diagnostik ablaufen?

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Abschnitt, denn eine Diagnose ist nur so gut wie der Prozess, der zu ihr geführt hat. Die Qualität spielt vor allem auch eine entscheidende Rolle, wenn der Befund noch bestätigt werden muss, also beispielsweise durch Psycholog:innen (Dipl./M. Sc.) mit Heilpraktikererlaubnis durchgeführt wurde.

Eine fundierte ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen umfasst üblicherweise:

Ausführliche Anamnese Das Diagnostikgespräch geht in die Tiefe und kann zwischen 2 - 5 Stunden dauern (oft aufgeteilt auf mehrere Sitzungen). ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die sich durch das Leben zieht und ihren Beginn in der Kindheit vor dem 12. Lebensjahr hat. Deshalb werden nicht nur aktuelle Symptome erfragt, sondern auch die Kindheits- und Schulgeschichte, der berufliche Werdegang, Beziehungsmuster und frühere psychische Auffälligkeiten. Gelingt kein plausibler Nachweis für den Beginn in der Kindheit, wird es mit der Diagnose schwierig.

Standardisierte Testverfahren Zur ADHS-Diagnostik gehören üblicherweise validierte Selbst- und Fremdbeurteilungsskalen und ggf. Leistungstests, sie sind aber kein Muss. In der Praxis kommen häufig Instrumente wie die CAARS (Conners’ Adult ADHD Rating Scales), WR-SB (Wender-Reimher-Selbstbeurteilung) oder die WURS-K (Wender Utah Rating Scale Kindheit) zum Einsatz. Diese Verfahren erfassen Symptome systematisch und machen sie vergleichbar. Die Diagnose kann auch rein über das anamnestische Gespräch gestellt werden. Nicht der Test entscheidet, ob du eine ADHS hast, sondern die Person, die den Diagnostikprozess durchführt.

Fremdanamnese Idealerweise wird eine nahestehende Person einbezogen, ein Elternteil, Partner:in oder eine andere vertraute Person, die Auskunft über das Verhalten in verschiedenen Lebensphasen geben kann. Das ist kein Muss, aber ein wertvoller Baustein, weil Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung bei ADHS häufig auseinandergehen. Das kann über Fragebögen oder ein Gespräch stattfinden.

Differenzialdiagnostische Einordnung Viele ADHS-Symptome überschneiden sich mit anderen psychischen Erkrankungen (z. B. Angststörungen, Depressionen oder Traumafolgestörungen). Eine sorgfältige Diagnostik schließt diese Möglichkeiten nicht einfach aus, sondern betrachtet sie aktiv. Auch Komorbiditäten (das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Diagnosen) werden in einer guten Diagnostik berücksichtigt.

Schriftlicher Befund oder Bericht Am Ende solltest du nicht nur mündlich erfahren, was die Fachperson festgestellt hat. Ein schriftlicher Befund dokumentiert den Prozess, die eingesetzten Verfahren und die Ergebnisse und ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.

Red Flags, auf die du achten solltest

  • Die Diagnostik besteht nur aus einem kurzen Gespräch.
  • Es werden keine Fragen zur Kindheit oder Vorgeschichte gestellt.
  • Du erhältst kein oder nur ein sehr kurzes schriftliches Ergebnis.
  • Die Fachperson kennt keine gängigen Diagnostikinstrumente für Erwachsene.
  • Es wird sofort (k)eine Diagnose gestellt, ohne dass du das Gefühl hattest, wirklich gehört worden zu sein.
  • Die Diagnose wird nur deshalb nicht gestellt, weil du keine Schulzeugnisse mehr hast, in einem Test einen bestimmten Wert nicht erreicht hast oder du „deinen Alltag super auf die Reihe bekommst“, ohne zu erfragen, wie hoch deine Belastung dabei ist.

Wo und wie suche ich konkret?

Der erste Schritt ist oft der frustrierendste. Hier sind einige konkrete Anlaufstellen:

Kassenärztliche Vereinigung deines Bundeslandes: Über die Terminservicestellen bist du gesetzlich berechtigt, einen Termin zu erhalten, nutze dieses Recht aktiv.

Hausärztliche Praxis als Lotse: Manche hausärztlichen Praxen stellen Überweisungen mit Dringlichkeitscodes aus und können den Prozess beschleunigen oder begleiten. Ein offenes Gespräch über deinen Verdacht ist ein sinnvoller erster Schritt.

Psychiatrische Institutsambulanzen: An größeren psychiatrischen Kliniken gibt es oft ADHS-Ambulanzen mit Kassenzulassung. Die Wartezeiten sind mitunter kürzer als in Einzelpraxen. Achtung: Die Qualität der Ambulanzen steht und fällt häufig mit der Leitung.

Privatpraxen und Heilpraktiker:innen für Psychotherapie: Wenn du nicht auf einen Kassentermin warten möchtest oder kannst, ist die Suche nach einer spezialisierten Privatpraxis eine sinnvolle Alternative, auch wenn die Kosten selbst getragen werden müssen. Worauf du achten musst, findest du im Abschnitt „Worauf sollte ich bei ADHS-Diagnostik für Selbstzahler:innen achten?“

Beim ersten Kontakt mit einer Praxis darfst und solltest du ruhig konkret nachfragen: Bieten Sie ADHS-Diagnostik für Erwachsene an? Mit welchen Verfahren arbeiten Sie? Wie lange dauert der Prozess? Das spart Zeit und Umwege.

Und wenn ich partout keinen Platz finde?

Das ist eine reale Situation, in der sich viele Menschen befinden und sie ist belastend. Ein paar Gedanken dazu:

Der Prozess dauert seine Zeit, es ist kein Anzeichen dafür, dass dein Anliegen nicht berechtigt ist. Die Wartezeit kannst du nutzen, um deine eigene Geschichte zu dokumentieren (Schulzeugnisse, alte Berichte, konkrete Alltagssituationen, die du beschreiben möchtest). Das ist eine wirklich wertvolle Vorarbeit für die spätere Diagnostik.

Es gibt Praxen, die auf ADHS-Diagnostik spezialisiert und auch als Selbstzahlerangebot zugänglich sind. Das ist mit Kosten verbunden, kann im Zweifel aber einen erheblichen Unterschied für dich machen.

Selbsthilfegruppen und Online-Communitys können praktische Hinweise auf lokale Anlaufstellen geben und dabei helfen, die Wartezeit zu überbrücken und dich mit deiner ADHS auseinanderzusetzen.

Fazit

Die Suche nach einem ADHS-Diagnostikplatz als Erwachsener ist anstrengend, das lässt sich nicht schönreden. Aber mit dem richtigen Überblick kannst du gezielter vorgehen, realistischere Erwartungen entwickeln und am Ende bei der richtigen Stelle landen.

Wenn du wissen möchtest, wie eine fundierte ADHS-Diagnostik konkret aussieht und was dich bei mir erwartet, informiere dich gerne unter ADHS-Diagnostik für Erwachsene in Karlsruhe oder schreibe mir eine E-Mail an adhs@richtungswechsler.de.